Gedanken aus Gethsemane

02.04.2020 Neues aus Gethsemane: KRONE

https://youtu.be/tdKJ5ISUZXA

 

01.04.2020 Neues aus Gethsemane: ENGEL

 

31.03.2020 Neues aus Gethsemane: NAGELKREUZ

https://youtu.be/XlyIJzHvXWg

 

30.03.2020 Neues aus Gethsemane: ZEIT

https://youtu.be/yjNvQ9svv8w

 

29.03.2020 Neues aus Gethsemane: HINGABE 

https://youtu.be/Bn6GJeKdE5w

 

28.03.2020 Neues aus Gethsemane: O HAPPY DAY

https://youtu.be/X11uTDbV-r4

 

27.03.2020 Neues aus Gethsemane: LEBEN

https://youtu.be/jvbS7lePeUQ

 

26.03.2020 Neues aus Gethsemane 4: BARMHERZIGKEIT

https://youtu.be/SP9oawwuBCI

 

25.03.2020 Neues aus Gethsemane 3:

https://youtu.be/QYiikpiT6G0
und: https://youtu.be/t5z6TgoEaVM

 

24.03.2020 Neues aus Gethsemane 2:

https://youtu.be/vVjNPyZYDlM 


23.03.2020 Unter dem folgenden Link können Sie den ersten "Gedanken aus Gethsemane" ansehen:

https://www.youtube.com/channel/UCmzJHSTz_IDRLgET315kkGw

 

Sonntag, 22. März 2020 (Lätare)

Er wollte ein gutes Leben haben. Eine gute Arbeit, eine Frau, zwei Kinder. Ein eigenes Haus. Ein schönes Auto. Ein bisschen Fußball und manchmal ein Popkonzert. Letztes Jahr war er zum Beispiel in der Olympiahalle bei Elton John… Das war Klasse! Und dieses Jahr fährt er zu Sting nach Köln. – Am 15. Juni. Die Tickets hat er schon. – Haben ganz schön Geld gekostet.
„Das wird SUSANNE und mir guttun,“ denkt er. „Noch ein paar Tage Urlaub drangehängt. Da fühlen wir uns wieder so wie damals, als wir uns auf dem Festival kennengelernt haben.“
In den letzten Tagen hatte er immer wieder diesen komischen Schmerz in der linken Schulter. „Vielleicht vom Sport,“ dachte er. „Belanglos. In ein paar Tagen ist das wieder vorbei.“ Im Büro ist wieder richtig Stress. Immer die Softwareprobleme. Überstunden. – Wenig Schlaf. – Schlechtes Essen. Abends zum Einschlafen braucht er eine Flasche Wein. Er sieht SUSANNE kaum noch. Sie schläft schon ein, kaum hat er sich in den Sessel gesetzt. SEBASTIAN und LENA haben sowieso schon lang ihr eigenes Leben.
Plötzlich fällt er um. Schmerzen, wie wenn ihm ein Elefant auf der Brust steht. Kriegt keine Luft mehr. – Dann ist er weg. Zum Glück hat SUSANNE gleich den Notarzt gerufen. Der hat ihm eine Spritze gegeben und der Krankenwagen hat ihn schnell in die Klinik gebracht. Dort: Das ganze Programm. Intensivstation, Schläuche und Maschinen, pfeifende Geräte und die besorgten Blicke von SUSANNE. Dann die Operation: Der Herzkatheter und der Stent, der für die bessere Durchblutung sorgt. Alles unter Zeitdruck. SUSANNE kam gerade noch dazu, die Kinder anzurufen. Sie hat ihnen gesagt: „Der Papa ist im Krankenhaus. Er wird gerade operiert. Der Arzt sagt, er hat Glück gehabt, dass er so schnell in die Klinik kam.“ 
Dann kam der lange Aufenthalt auf der Intensivstation. Immer wieder Komplikationen.  Es war Mitte März geworden.  „Seien Sie froh,“ sagt der Arzt zu ihm. „Sie sind dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen! Sie müssen Ihr Leben ändern! Andere Ernährung. Weniger Fett. Weniger Cholesterin. Kein Alkohol. Und vor allem: Fangen Sie nicht wieder zu rauchen an. Und bitte weniger Stress, der greift Ihr Herz an. Jetzt gehen Sie erst mal ab dem 10. April zur Reha. Wir haben einen guten Platz in Bad Krozingen für Sie. Zwar ein bisschen weit, aber gute Ärzte! Wir haben erst mal vier Wochen genehmigt bekommen. Vielleicht müssen Sie noch verlängern. Das werden Sie dann sehen.“
Er rechnet: ‚Jetzt ist Mitte März. Ab Anfang April vier Wochen, dann ist es Mai. Und wenn die Reha verlängert wird… Oh, das könnte knapp werden mit dem Sting-Konzert.‘
SUSANNE ist froh, dass er wieder einigermaßen gesund ist. Dass er aus der Klinik entlassen wird. Und sie macht sich wirklich Sorgen, wie es weitergehen soll. „Du sollst dein Leben ändern. Du musst dich neu ausrichten. Alle deine Gewohnheiten überlegen, abwägen. Du musst umkehren aus dem, wie du bisher gelebt hast.“ Solche Sätze sagt SUSANNE jetzt immer wieder zu ihm.
Er nickt. Aber er spürt: „Das ist sauschwer! Ob ich das jemals schaffe? Nicht mehr Rauchen, kein Wein mehr am Abend. Selber Sport machen, statt Fußball schauen. Auf die Schäuferle verzichten. Und was wird mit dem Konzert am 15. Juni?“
SUSANNE sagt: „Ich helf dir dabei. Wir werden es gemeinsam schaffen. Und wenn wir es im Juni nicht nach Köln schaffen, dann schenken wir NICOLE und MICHAEL die Karten, die freuen sich bestimmt drüber.“
Glücklich schaut er nicht gerade aus in seinem Krankenhauszimmer. Aber er spürt: „Wenn SUSANNE mir hilft, dann krieg ich es vielleicht hin. Und ich kann ja trotzdem meine Musik hören. Anders wird es werden. Aber ich lebe…“

Liebe Gemeinde, alles muss sich ändern. Das sagt der Arzt von OLIVER.
Alles muss sich ändern. Das spüre ich in meinem Leben auch immer wieder. Es ist nicht gut, immer so weiterzumachen, als würde die Welt stehenbleiben.
-          Es ist nicht gut, ungesund zu leben.
-          Es ist nicht gut, die Welt nach und nach zu zerstören.
-          Es ist nicht gut, wenn ich meine: Das passt schon. Irgendwie geht’s ja weiter.

Alles muss sich ändern. Zurzeit spüren wir die Bedrohung durch das Corona-Virus. Wir können in der Zeitung lesen oder hautnah im Fernsehen miterleben, wie gefährdet unsere Gesellschaft ist. Wie die Weltwirtschaften zusammenhängen. Wie das Leben jedes einzelnen bedroht ist. Und wie hysterisch manche darauf reagieren. Die Läden leergekauft. Jeder denkt nur an sich. Jeder schaut nach seinem Vorteil.
 Jetzt sind wir wie Gefangene unserer eigenen Unachtsamkeit und unseres Egoismus. In Quarantäne. Zu Hause. – Vielen fällt das schwer:
-          Nicht mehr zu den alten Eltern im Heim.
-          Den kranken Freund nicht besuchen können.
-          Kontakt nur noch übers Telefon oder die neuen Medien.

Alles muss sich ändern. Das sagt Gott seit vielen tausend Jahren seinen Leuten. Wie Ihr lebt, ist nicht gut. Wie Ihr einander das Leben schwer macht, ist Sünde. Kehrt um! Ändert Euer Denken und Handeln!
Aber Gott fordert uns nicht nur zur Umkehr auf. Er verspricht seinen Leuten auch immer wieder, dass er ihnen helfen wird.
Wenn wir uns auf Gottes Versprechen einlassen, dann werden wir spüren, wie OLIVER: Anders wird es werden. Aber wir leben… Und das ist, glaube ich, ein gutes Versprechen.

Hören wir auf ein solches Versprechen, wie es Gott seinem Volk gegeben hat. Zuerst sagt Gott: Ich lasse Unheil über sie hereinbrechen. All das, wovor ihnen graut, soll sie nun treffen. Denn als ich sie rief, hat mir keiner geantwortet. Ich habe mit ihnen geredet, doch niemand hat mir zugehört. Lieber haben sie getan, was ich hasse, und sich für das entschieden, was ich verabscheue.

Aber Gott ist ein Gott des Erbarmens. Er kann nur lieben. Das ist die zentrale Botschaft der Bibel. Und wie einer, der sich es nochmal überlegt hat, sagt Gott einige Zeilen später: »Freut euch mit Jerusalem! Jubelt über diese Stadt, alle, die ihr sie liebt! Früher habt ihr um sie getrauert, doch jetzt könnt ihr singen und jubeln vor Freude. Lasst euch von ihr trösten wie ein Kind an der Mutterbrust. Trinkt euch satt! Genießt die Pracht dieser Stadt!Denn ich, der HERR, sage euch: Frieden und Wohlstand werden Jerusalem überfluten wie ein großer Strom. Ich lasse den Reichtum der Völker hereinfließen wie einen nie versiegenden Bach. Und an dieser Fülle dürft ihr euch satt trinken. In dieser Stadt werdet ihr euch wie Kinder fühlen, die ihre Mutter auf den Armen trägt, auf den Schoß nimmt und liebkost. Ich will euch trösten wie eine Mutter ihr Kind.Die neue Pracht Jerusalems lässt euch den Kummer vergessen. Wenn ihr das alles seht, werdet ihr wieder von Herzen fröhlich sein, und neue Lebenskraft wird in euch aufkeimen wie frisches Gras.«

In unserer Zeit spüren wir die beiden Seiten: In aller Einschränkung und in den vielen Veränderungen, die uns das Leben schwer machen, wächst Solidarität. Leute, die einander nur vom Sehen kannten, fragen die alten Menschen, ob sie für sie einkaufen gehen sollen. Jugendliche treffen sich im Internet und besprechen ihren Frust. Ärztinnen und Pfleger machen Überstunden. Lehrerinnen helfen im Gesundheitsamt aus. Leute aus der Gemeinde telefonieren miteinander und unterstützen sich. - Es gibt tolle Beispiele.

Liebe Gemeinde, frère Roger aus Taizé sagte: Gott lädt uns zur schlichten Umkehr des Herzens ein. Was ist Umkehr? Umkehr ist ein Schritt des Vertrauens. Durch die Umkehr wirft man die eigenen Fehler und Schwächen auf Gott. Und im selben Augenblick bin ich entlastet und befreit. Ich kann wieder für die Gegenwart leben, und offen in die Zukunft schauen. Befreit und nicht entmutigt, weil mir stets verziehen ist.
Es ist ein alter Brauch, an diesem Sonntag in der Mitte der Fastenzeit das Ostergras zu pflanzen. Ostergras ist aus Weizenkörnern. Bis Ostern wachsen grüne Halme. Wir tun das, weil wir auf das Leben hoffen. Wir können uns ändern. Wir können unser Leben auf Gott ausrichten. Wir können darauf vertrauen: Neue Lebenskraft wird in uns aufkeimen wie frisches Gras. Jesus sagt es so: Ein Weizenkorn, das nicht in den Boden kommt und stirbt, bleibt ein einzelnes Korn. In der Erde aber keimt es und bringt viel Frucht, obwohl es selbst dabei stirbt.